Merkwürdig – wie in Leun: Rechtsextreme bilden „Sturmbrigade“, Verhaftungen? Keine

Frankfurt, den 1.8.19

Die SZ vom 31.7. berichtet von einer Razzia in Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Nordhessen und Nordrheinwestfalen gegen eine sogenannte Sturmbrigade, einer Nazi-Vereinigung, die im Verdacht der Bildung einer kriminellen Vereinigung steht.

Die „Welt“ berichtet dazu am 30.7., die „Sturmbrigade“ habe sich als bewaffneter Arm einer „Wolfsbrigade“ aus 8 Mitgliedern in 2018 gegründet. Die Zahlenangabe zur Mitgliedschaft dieses Vereines lassen wir mal dahingestellt. Die Wolfsbrigade sei eine bundesweit gut vernetzte Gruppierung die sich für ein „Wiedererstarken eines freien Vaterlandes“ nach dem „germanischen Sittengesetz“ stark macht. Abgesehen von dem gequirlten ideologischen Unsinn der aus dieser Zielsetzung spricht, lässt sich daraus zweierlei ablesen:
Entweder meinen diese Leute „Germanien“ im wissenschaftlich-historischen Sinn. Das würde bedeuten, sie streben eine Stammeskultur an, die über kein „Vaterland“ verfügte, sondern, so ungefähr vor 2000 Jahren, in der Spätantike mit den Römern im Konflikt stehend, die diese „Barbarenstämme“ entweder bekämpften oder durch Handel und Wandel zu „zivilisieren“ trachteten, einen Flickenteppich nordöstlich des Limes bis Norwegen/Finnland bevölkerten. Nun ja. Nostalgiker mögen das gut finden und sich zum Beispiel auf historischen Jahrmärkten, ähnlich der Westerndörfer, verlustieren. Als Gesellschaftsform der Zukunft jedoch und in Abgrenzung zur heutigen europäischen Demokratie, ist das sicher kein akzeptables Modell. Im Gegenteil. Diese Form, sozusagen eine „abendländische Scharia“, wollen wir hier ganz bestimmt nicht.

Nun steht jedoch zu vermuten an, dass nicht dieses antike Germanien gemeint ist. Hingegen ist anzunehmen, dass diese Leute ein „Germanien“ anstreben („Vaterland“), das dem Nazireich des Adolf Hitler und seiner massenmordenden Gefolgschaft entspricht. Also sozusagen, die Neuauflage der Nazi“Scharia“.

Man möge mir verzeihen, dass ich den Begriff Scharia an dieser Stelle etwas Missbrauche. Aber vielleicht öffnet das dem einen oder der anderen die mit solch völkischem Schmarrn liebäugeln, die Augen.

Es erschließt sich vielleicht unseren jüngeren Leuten bei Staatsanwaltschaft, den Innenministerien und Polizeibehörden nicht auf den ersten Blick, aber einen Verein überhaupt „Sturmbrigade“ zu nennen, ist ja nun schon Programm vom aller Finstersten. „Sturmbrigade“, so darf man stark annehmen, ist die Namensanleihe an die 1940 gegründete SS Verbrechertruppe “SS-Sondereinheit Dirlewanger”. Die Verbrechen dieser Truppe sind gründlich erforscht. Diese Mördereinheit tat sich u.a. bei der Niederschlagung des Warschauer Aufstandes hervor. Besonders widerlich: Bei der Recherche stößt man unweigerlich auf eine „alternative Darstellung“ eines „alternativen Wikis“ offensichtlicher Nazis, das konsequent darauf „verzichtet“, die Verbrechen dieser Truppe darzustellen. Und da, wo sie das am Rande (!) weil unvermeidlich, erwähnt, waren die Täter angeblich „überwiegend fremdvölkischen Hilfskräfte“ dieser Truppe. Die Seite ist eine der erheblich verlogenen Seiten im Internet.

Die „Wolfsbrigade“ hingegen dürfte eine Anleihe an Hitlers letzten Wahn sein, der das „Reich“ retten sollte. Die „Werwolf-Organisation“. Auch eine solche Namensanleihe legt nahe, dass sich die Namensgeber wissentlich in allerübelsten braunen Wassern bewegen. Diese Wahntruppe von Hitlers gnaden war als letztes “Aufgebot” dazu ausersehen, mittels Terroranschlägen etc., also gewaltsam, das Nazireich über dessen vollständige Zerschlagung hinaus, in “Erinnerung” zu rufen.

Nun berichtet die Presse übereinstimmend, bei diesen Razzien gab es keine Verhaftungen. Was nicht berichtet wurde, scheint auch keine weiteren Nachfragen ausgelöst zu haben. Es ist nicht bekannt, was bei diesen Hausdurchsuchungen denn nun gefunden wurde.

Es leiten sich Fragen ab:

Inwiefern kann ein Verein verfassungskonform sein, der eine „Germanische Sittenverfassung“ für Deutschland anstrebt?
Inwiefern kann ein Verein seinem Verbot entgehen, der unter „germanischer Sittenverfassung“ möglicherweise, was also zu ermitteln wäre, die „Sittenverfassung“ des Nazi-Staates von 1933 bis 1945 versteht?
Inwiefern können Mitglieder dieses Vereins, die den dringenden Verdacht nahelegen und dies schon in ihrem Namen führen, dieses bereits an sich verfassungsfeindliche Ziel einer „germanischen Sittenverfassung“ auch gewaltsam zu befördern, in den Genuss kommen, im Zuge der Untersuchung und Razzia unmittelbar wieder auf freien Fuß belassen oder gesetzt zu werden?

Der Ablauf erinnert doch sehr stark an die Vorgänge in Leun.

Der ausführlichste Artikel findet sich hier: Zur Razzia in Leun

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