
6. Mongolei-Festival
Die Veranstalter/innen des 6. Mongoleifestival in Bärstadt vom 21.-23.8. 2009 haben mich als Teilnehmer ihrer Podiumsdiskussion “Globalisierung, was hat das mit uns zu tun?” eingeladen. Ich freue mich über diese Einladung. Auch wenn ich gestehe, dass mein ursprüngliches Interesse an diesem Land und seinen Menschen bisher eher “historisch-romantischer” Natur war (!). Meine zaghafte Annäherung ans Thema hatte immerhin vor vielen Jahren zum gewichtigen Grund, die Vertretung des Landes in Hannover auf einer Expo aufzusuchen und mit den Gästen zu sprechen, mich zu informieren.
So ist es es vielleicht doch nicht nur ein Zufall, nun gefordert zu sein?
“Wir Menschen sind so unfertig, wie sollte es auch anders sein? Die Erde ist möglicherweise 15 Milliarden Jahre alt, und das älteste Kunstwerk, die Venus, die man kürzlich gefunden hat, etwa 40000 Jahre. Die Menschheit ist also ein ganz neues Gewächs; wir müssen noch werden, wir sind noch grün. Wir stehen am Anfang.
Der Hofastrologe der Queen, ein Professor, hat 1000 Pfund gewettet, dass wir das 21. Jahrhundert nicht überstehen werden. Er sagte, er hoffe zu verlieren, wisse aber, dass es so nicht weitergehen könne. Die Industrie boomt – aber schauen Sie, wie viel wir damit zerstören und wie wir unsere menschlichen Urfähigkeiten verlieren. Wir entwickeln uns zurück. Unsere Kinder und Kindeskinder werden nicht in der Lage sein, sich in der Natur zurechtzufinden, wenn sie einmal ausgesetzt werden wie alternde Zootiere.” sagt der mongolische Schriftsteller Galsan Tschinag in einem Interview mit der Schweitzer Zeitung “Der Bund” (http://www.derbund.ch/zeitungen/samstagsinterview/Je-einfacher-wir-leben-desto-gluecklicher-sind-wir/story/20350131). Und Galsan Tschinag ruft uns zu “Werdet Bescheidener!”.
“Ja, mit dem alten Rousseau. Aber mit dem Auto und dem Laptop bitte? (lacht) Wir haben in der Wissenschaft, in der Zivilisation ganz viele Fortschritte erzielt. Davon müssen wir nicht zurückgehen. Aber wir müssen uns sagen: Wir haben doch eigentlich genug, was wollen wir mehr? Aber die Politik, die Machthabenden wollen immer mehr, mehr Wirtschaftswachstum.
Ja. Selbst die Pflanzen werden zum Wachstum hochgepeitscht. Wir in der Mongolei sind Pestiziden aus Russland und China ausgesetzt. Dort machen sie immer grössere und schönere Äpfel, aber die schmecken nach nichts. Dabei heisst das Zauberwort Bio. Gerade Europa macht da ziemlich grosse Fortschritte, aber Asien, wo ich herkomme, will davon nichts wissen. Wir Menschen scheinen unbelehrbar zu sein. Mich macht es wütend: Wir sehen, was Europa und Amerika falsch gemacht haben und könnten unseren eigenen Weg gehen, aber das tun wir nicht.” (ebd.)
Das haben wir mit der Globalisierung zu tun. Tschinags Lob ist kein Grund, sich auf irgendwelchen Lorbeeren auszuruhen. Es ist eher Tschinags für uns vorteilhafte Sicht der Dinge. Wir wissen gut, dass es auch eine weniger vorteilhafte gibt.





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